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Aktionstag Suchtberatung

„Sucht betrifft uns alle – Hilfe auch!“  lautet das Motto des diesjährigen Aktionstags Suchtberatung am 13. November 2025. Auch in diesem Jahr lädt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zu diesem Anlass Suchtberatungsstellen in ganz Deutschland dazu ein, durch Veranstaltungen und weitere Aktivitäten auf den Stellenwert ihrer Arbeit aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit über ihre Angebote zu informieren.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu....

Alle Fakten und Hintergrundinformationen gibt es auch als PDF zum Download.

Daten und Fakten

Suchtmittelkonsum und Suchtverhalten bundesweit

Ca. jeder zehnte Erwachsene in Deutschland hat eine Abhängigkeitserkrankung

  • 1,6 Mio. sind alkoholabhängig, 7,9 Mio. konsumieren Alkohol in schädlicher/riskanter Weise
  • 4,4 Mio. sind tabakabhängig
  • 2,9 Mio. haben einen problematischen Medikamentenkonsum, hinzu kommt eine Dunkelziffer
  • 309 000 sind cannabisabhängig
  • 3,6% konsumieren illegalisierte Substanzen
    • 41 000 sind kokainabhängig
    • 103 000 sind amphetaminabhängig
  • 1,38 Mio. sind glücksspielabhängig

 

Einnahmen des Staates

2022 bzw. 2023 nahm der Staat

  • ca. 2,9 Mrd. Euro an alkoholbezogenen Steuern
  • 14,8 Mrd. Euro an Tabaksteuern
  • 6,2 Mrd. € Steuern und Abgaben von Anbitern erlaubter Glücksspiele ein.

Volkswirtschaftliche Kosten

Die jährlichen direkten und indirekten volkswirtschaftlichen Kosten

  • des Alkoholkonsums in Deutschland belaufen sich auf rund 57 Mrd. Euro
  • des Tabakkonsums betragen 97,24 Mrd. €

Folgen des Alkoholkonsums

  • 42 000 Todesfälle jährlich
  • Folgeerkrankungen der Leber, des Herz-Kreislauf-Systems, Krebserkrankungen, Depressionen und viele mehr
  • Soziale Folgen wie Konflikte in der Familie, am Arbeitsplatz sowie Vernachlässigung von Erziehungsaufgaben. In Deutschland leben 2,65 Mio. Kinder in suchtbelasteten Familien (alle Suchterkrankungen)
Quellen

Buth/Meyer/Rosenkranz/Kalke, Glücksspielatlas Deutschland 2023: Zahlen, Daten, Fakten 

DHS Jahrbuch Sucht 2025 (Pabst Science Publishers & Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen). 2025.

Website des Bundesdrogenbeauftragten (abgerufen am. 01.10.2025).

Einnahmen des Staates Glücksspiel, volkswirtschaftliche Kosten Glücksspiel: Jahresreport 2022 der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder 

Alkoholkonsum in Deutschland

Pro-Kopf-Verbrauch

10,2l Alkohol konsumierten Erwachsene in Deutschland durchschnittlich im Jahr 2022. Der größte Anteil davon durch Bier, gefolgt von Wein, und Spirituosen.

Medizinische Behandlung

Alkoholabhängigkeit ist die fünfthäufigste Diagnose in Krankenhäusern in Deutschland. 2022 waren es 235 987 Fälle, 172 037 davon waren Männer.

 

Straftaten unter Alkoholeinfluss

9% aller Straftaten im Jahr 2023 wurden unter Alkoholeinfluss begangen. Das sind mehr als 200 000 Fälle.

Alkohol im Straßenverkehr

18 884 Personen kamen im Jahr 2023 bei Autounfällen unter Alkoholeinfluss zu Schaden. Der Anteil von Unfällen mit Personenschaden unter Alkoholeinfluss ist deutlich höher als bei Unfällen ohne Alkoholeinfluss.

Quellen

Jahrbuch Sucht 2025, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., 2025.

Polizeiliche Kriminalstatistik, PKS, Hrsg. Bundesministerium des Inneren und für Heimat, 2023.

Suchtberatung im Land Brandenburg

Ambulante Suchthife in Brandenburg : Beratungszahlen

In der Online-Adressdatenbank der BLS sind – inklusive Nebenstellen – 49 ambulante Suchtberatungsstellen aufgeführt, an die sich Ratsuchende im Land Brandenburg werden können. Im Jahr 2023 fanden 7.915 Betreuungen in Suchtberatungsstellen statt, zusätzlich fanden Einmalkontakte statt.  

Im Jahr 2023 waren 93 Prozent der Ratsuchenden selbst von einer Suchtproblematik betroffen, 7 Prozent waren Angehörige und andere Bezugspersonen.

Alkoholabhängigkeit war die am häufigsten benannte Hauptdiagnose (65 Prozent), gefolgt von der Abhängigkeit von Cannabinoiden (11,9 Prozent). 6,5 Prozent der Klient*innen hatten einen polyvalenten Substanzkonsum.

 

Bundesweit Probleme bei Finanzierung der Suchtberatung

Ein Großteil der öffentlich geförderten Suchtberatungsstellen in Deutschland ist nur unzureichend finanziert. Dies ergab eine Untersuchung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Einem Ende September 2024 veröffentlichten Bericht zufolge können Dreiviertel der Einrichtungen ihre Kosten in diesem Jahr nicht decken, über die Hälfte muss Angebote reduzieren. Die gravierenden Missstände bei der Finanzierung hätten zusammen mit Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel bereits zu Schließungen von Suchtberatungsstellen geführt. Da die Einrichtungen jedoch eine unverzichtbare Hilfe bei der Versorgung von Menschen mit Suchtproblemen und hilfesuchenden Angehörigen leisten, fordert die DHS-Geschäftsführerin Christina Rummel die Politik in einer Pressemitteilung zur Veröffentlichung ihres Berichts dazu auf, „ein Wegbrechen der Suchtberatung zu verhindern.“ 

Quellen

Schwarzkopf, L., Riemerschmid, C., & Murawski, M. (2024). Suchthilfestatistik Brandenburg 2023 Jahresbericht zur aktuellen Situation der ambulanten  Suchthilfe in Brandenburg . Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und  Verbraucherschutz des Landes Brandenburg. www.lsk-brandenburg.de/fileadmin/lsk-brandenburg/dokumente/bls/gesundheit/Suchthilfestatistik-Brandenburg-2023.pdf

Rummel, C. (2024, September 26). Gehört die kommunale Suchtberatung bald der Vergangenheit an? www.dhs.de/fileadmin/user_upload/DHS_26.09.2024_Bericht_zur_Finanzierung_der_Suchtberatungsstellen_PM.pdf

 

Potenzial der Suchtberatung

In der Expertise „Aufgaben und Potentiale der Funktion Suchtberatung" benannte Prof. Dr.  Rita Hansjürgens (Alice-Salomon-Hochschule Berlin) im Jahr 2018 folgende konzeptionelle Eckpfeiler der Funktion Suchtberatung:

  • niedrigschwellige Zugangsmöglichkeit,
  • Raum zur Entwicklung einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung,
  • Integrierter Prozessbogen mit hilfesektorenübergreifendem Casemanagement,
  • Beratung und Begleitung in Bezug auf Klient*innenanliegen,
  • Erschließung eines regionalen Hilfenetzwerkes für Betroffene

Mit Blick auf das Potential von Suchtberatung geht sie davon aus, „…dass diese wirksam dazu beiträgt, dass sich prekäre Lebenssituationen in Bezug auf Wohnen und Lebensunterhalt im Zusammenhang mit Substanzkonsum stabilisieren im Sinne einer Realisierung von Teilhabe und dass durch eine (…) vertrauensvolle Arbeitsbeziehung ein Prozessbogen entsteht. Im Rahmen dieses Prozessbogens, zu dem auch explizit eine Vermittlung in weiterführende Hilfen gehört, kann Suchtberatung also dazu beitragen, die Lebenssituation von Menschen und ihrem sozialen Umfeld (…)  zu verbessern."

Quellen

Studie: Volkswirtschaftliches Einsparpotenzial durch die Suchtberatung

Eine Studie der xit GmbH in Kooperation mit dem Sozialteam Sachsen gGmbH hat im Jahr 2020 belegt, dass Suchtberatung wirkt und langfristig eindeutig volkswirtschaftliche Einsparpotentiale für die öffentliche Hand ermöglicht.

Durch die Berechnung des Social Return on Investment (SROI) sollte hier die Wertschöpfung der Suchtberatung bewertbar und messbar gemacht werden. Zunächst wurden mögliche kurz-, mittel-, und langfristigen Wirkungen einer Suchtberatung identifiziert. Anschließend wurden anhand von insgesamt 67 realen Fällen die Eintrittswahrscheinlichkeiten für diese Wirkungen abgeschätzt.

Aus den benannten 67 Fällen wurden zwei für die Arbeit der Suchtberatungsstelle, „typische“ Fälle ausgewählt. Für diese beiden Klienten wurden dann die wahrscheinlichen Folgen/Eskalationen für das Szenario ermittelt, dass sie die Suchtberatung nicht hätten in Anspruch nehmen können.

Im Ergebnis wären für die 67 untersuchten Klient*innen folgende Eskalationen in kurz- und mittelfristiger Perspektive eingetreten:

Langzeitarbeitslosigkeit:37 Prozent
Psychische Erkrankungen:31 Prozent
Stationäre Therapie:     22 Prozent
Langzeiterkrankung:22 Prozent
Psychische Erkrankung mit stationärer Behandlung:16 Prozent
Verlust des Arbeitsplatzes:16 Prozent
Vorzeitige Berentung:15 Prozent
Kriminalität:      12 Prozent
Überschuldung:10 Prozent
Konflikte am Arbeitsplatz:          9 Prozent
Suizid:9 Prozent  
Pflegebedürftigkeit:4 Prozent
Obdachlosigkeit:             4 Prozent
Opfer von Gewalt:1 Prozent
Sonstige Folgen: 30 Prozent

 

Quellen

https://dgcs.de/suchtberatung-wirkt-die-wertschoepfung-der-ambulanten-suchthilfe/ (abgerufen am 05.10.2021)

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