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Aktionstag Suchtberatung

"Suchthilfe wirkt" lautet das Motto des diesjährigen Aktionstags Suchtberatung am 10. November 2021. Zum zweiten Mal lädt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) zu diesem Anlass Suchtberatungsstellen in ganz Deutschland dazu ein, durch Veranstaltungen und weitere Aktivitäten auf den Stellenwert ihrer Arbeit aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit über ihre Angebote zu informieren. Auch einige Beratungsstellen im Land Brandenburg beteiligen sich am Aktionstag.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu

Alle Fakten und Hintergrundinformationen gibt es auch als PDF zum Download.

Daten und Fakten

Suchtmittelkonsum und Suchtverhalten bundesweit

In Deutschland leben, bezogen auf die 18 – 64-jährige Bevölkerung:

  • Insgesamt 3 Millionen Menschen mit einer alkoholbezogenen Störung (Alkoholmissbrauch: 1,4 Millionen; Alkoholabhängigkeit: 1,6 Millionen),
  • ca  4,4 Millionen Menschen mit einer Tabakabhängigkeit,
  • Ca. 1,6 Millionen Menschen mit einer Medikamentenabhängigkeit,
  • 309.000 Menschen mit einer Cannabisabhängigkeit,
  • 103.000 Menschen mit einer Amphetaminabhängigkeit, 
  •  41.000 Menschen mit einer Kokainabhängigkeit.

429.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 70 Jahren  sind deutschlandweit von problematischem oder süchtigem Glücksspielen betroffen.

Einnahmen des Staates

2019 bzw. 2020 nahm der Staat:

  • 3,24 Mrd. Euro an alkoholbezogenen Steuern (2020)
  • 14,64 Mrd. Euro an Tabaksteuern (2020)
  • 5,4 Mrd. € aus Steuern und Abgaben von Anbietern erlaubter Glücksspiele (2019) ein.

Volkswirtschaftliche Kosten

Die jährlichen direkten und indirekten volkswirtschaftlichen Kosten

  • des Alkoholkonsums in Deutschland belaufen sich auf rund 57,04 Mrd. Euro (davon entfallen 16,59 Milliarden Euro auf medizinische Behandlungen, Krankenhausaufenthalte und Medikamente)
  • des Tabakkonsums betragen 97,24 Mrd. €
  • des Glücksspiels belaufen sich auf 326 Mio. €

Werbung für Alkohol, Tabak und Glücksspiele

Die Werbeausgaben beliefen sich

  • für alkoholhaltige Getränke in 2019 auf 609 Mio. Euro.
  • für Tabakprodukte in 2018 auf 193,5 Mio. € (inkl. Promotion und Sponsoring)
  • für Glücksspiele in 2020 auf 540 Mio. €
Quellen

Suchtmittelkonsum bundesweit: https://www.aerzteblatt.de/callback/image.asp?id=100765 (Daten aus dem Epidemiologischen Suchtsurvey 2018, abgerufen am 05.10.2021)

Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland, Ergebnisse des Surveys 2019 und Trends (BzGA, 2020),  https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/studien/BZgA-Forschungsbericht_Gluecksspielsurvey_2019.pdf (abgerufen am 05.10.2021)

Angaben zu Alkohol- und Tabak (Einnahmen des Staates, Volkswirtschaftliche Kosten, Werbeausgaben, Mortalität): DHS, Jahrbuch Sucht 2021

Einnahmen des Staates Glücksspiel: Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder 2021, https://innen.hessen.de/sites/default/files/media/hmdis/jahresreport_2019.pdf) (abgerufen am 05.10.2021)

Volkswirtschaftliche Kosten: https://gluecksspiel.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/gluecksspiel/Oekonomie/SozialeKostenDesGluecksspiels_Internet.pdf (abgerufen am 05.10.2021 – Angaben aus 2008)

Steuern und Abgaben Glücksspiele: https://research-tools.net/wp-content/uploads/Pressemitteilung_Werbemarktanalyse-Gluecksspiel-2020.pdf

Alkoholkonsum in Deutschland

Pro-Kopf-Verbrauch:

In 2019 wurden nach vorläufigen Angaben pro Kopf 128,5 l an alkoholischen Getränken konsumiert, davon

  • 99, 7 l Bier
  • 20,1 l Wein
  • 3,4  l Schaumwein
  • 5,3 l Spirituosen

Medizinische Behandlung:

Eine psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol war 2019 mit 292.601 Behandlungsfällen die dritthäufigste Hauptdiagnose in Krankenhäusern in Deutschland. 212.802 Fälle bezogen sich auf männliche Patienten.

Mortalität

Eine fast 20 Jahre alte Schätzung ergibt ca. 74.000 Todesfälle in Deutschland, die allein durch den Alkoholkonsum oder den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak verursacht sind. Studien haben jedoch gezeigt, dass mehr als 200 Erkrankungen durch Alkohol mitverursacht werden. Demnach dürfte die Zahl der an oder mit Alkoholkonsum Verstorbenen höher liegen.

Straftaten unter Alkoholeinfluss

Im Jahr 2019 wurden ca. 2 Millionen Tatverdächtige registriert, davon standen ca. 222.232 bei Begehung der Straftat unter Alkoholeinfluss. Die häufigsten Delikte unter Alkoholeinfluss  bezogen sich  mit 43.648 Fällen auf Gewaltkriminalität, (37.718 Fälle Gefährliche und schwere Körperverletzung, 27.469 Sachbeschädigung)

Quellen

Jahrbuch Sucht 2021, DHS

Suchtberatung im Land Brandenburg

Ambulante Suchthife in Brandenburg : Beratungszahlen

In der Online-Adressdatenbank der BLS sind – inklusive Nebenstellen – 49 ambulante Suchtberatungsstellen aufgeführt, an die sich Ratsuchende im Land Brandenburg werden können. Insgesamt suchen ca.10.000 Menschen aus dem Land Brandenburg jährlich Hilfe in einer Suchtberatungsstelle.

Im Jahr 2020 waren 87 Prozent der Ratsuchenden selbst von einer Suchtproblematik betroffen, 13 Prozent waren Angehörige und andere Bezugspersonen.

Alkoholabhängigkeit war die am häufigsten benannte Hauptdiagnose (56,8 Prozent)., gefolgt von der Abhängigkeit von Cannabinoiden (9,1 Prozent). 4,9 Prozent der Klient*innen waren von einer Polytoxykomanie (Mehrfachabhängigkeit) betroffen.

Förderung der Suchtberatung im Land Brandenburg

Das Land Brandenburg unterstützt die Landkreise und kreisfreien Städte entsprechend der aktuellen

Förderrichtlinie durch die Finanzierung anteiliger Personalkosten der Suchtberatungs- und Behandlungsstellen, deren Träger insbesondere Kommunen, Verbände der freien Wohlfahrtspflege und freie Träger sind. Die Förderung der Personalkosten der BBS und KBS ­erfolgt unter der Voraussetzung, dass die Landkreise und kreisfreien Städte im Sinne der kommunalen Daseinsfürsorge die erforderliche Grundfinanzierung für den ordnungsgemäßen Betrieb der BBS und KBS absichern.

Grundlage für die Förderung ist die Einhaltung der Standards und Qualitätsmerkmale der Beratungs- und Behandlungsstellen für Abhängigkeitskranke im Land Brandenburg.

Quellen

Hilfesuchende in Brandenburg pro Jahr: Hochrechnung aus der Datensammlung der Ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen im Land Brandenburg

Anteil Betroffener an Ratsuchenden: Datensammlung der ambulanten Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke im Land Brandenburg

Richtlinie des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz über die Gewährung von Zuwendungen an die Landkreise und kreisfreien Städte für ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke und für Kontakt- und Beratungsstellen für psychisch Kranke vom 30. Dezember 2020 (abgerufen am 13.10.2021)

https://bravors.brandenburg.de/br2/sixcms/media.php/66/Anlage%201.44896604.pdf, (abgerufen am 13.10.2021)

 

Potenzial der Suchtberatung

In der Expertise „Aufgaben und Potentiale der Funktion Suchtberatung" benannte Prof. Dr.  Rita Hansjürgens (Alice-Salomon-Hochschule Berlin) im Jahr 2018 folgende konzeptionelle Eckpfeiler der Funktion Suchtberatung:

  • niedrigschwellige Zugangsmöglichkeit,
  • Raum zur Entwicklung einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung,
  • Integrierter Prozessbogen mit hilfesektorenübergreifendem Casemanagement,
  • Beratung und Begleitung in Bezug auf Klient*innenanliegen,
  • Erschließung eines regionalen Hilfenetzwerkes für Betroffene

Mit Blick auf das Potential von Suchtberatung geht sie davon aus, „…dass diese wirksam dazu beiträgt, dass sich prekäre Lebenssituationen in Bezug auf Wohnen und Lebensunterhalt im Zusammenhang mit Substanzkonsum stabilisieren im Sinne einer Realisierung von Teilhabe und dass durch eine (…) vertrauensvolle Arbeitsbeziehung ein Prozessbogen entsteht. Im Rahmen dieses Prozessbogens, zu dem auch explizit eine Vermittlung in weiterführende Hilfen gehört, kann Suchtberatung also dazu beitragen, die Lebenssituation von Menschen und ihrem sozialen Umfeld (…)  zu verbessern."

Quellen

Studie: Volkswirtschaftliches Einsparpotenzial durch die Suchtberatung

Eine Studie der xit GmbH in Kooperation mit dem Sozialteam Sachsen gGmbH hat im Jahr 2020 belegt, dass Suchtberatung wirkt und langfristig eindeutig volkswirtschaftliche Einsparpotentiale für die öffentliche Hand ermöglicht.

Durch die Berechnung des Social Return on Investment (SROI) sollte hier die Wertschöpfung der Suchtberatung bewertbar und messbar gemacht werden. Zunächst wurden mögliche kurz-, mittel-, und langfristigen Wirkungen einer Suchtberatung identifiziert. Anschließend wurden anhand von insgesamt 67 realen Fällen die Eintrittswahrscheinlichkeiten für diese Wirkungen abgeschätzt.

Aus den benannten 67 Fällen wurden zwei für die Arbeit der Suchtberatungsstelle, „typische“ Fälle ausgewählt. Für diese beiden Klienten wurden dann die wahrscheinlichen Folgen/Eskalationen für das Szenario ermittelt, dass sie die Suchtberatung nicht hätten in Anspruch nehmen können.

Im Ergebnis wären für die 67 untersuchten Klient*innen folgende Eskalationen in kurz- und mittelfristiger Perspektive eingetreten:

Langzeitarbeitslosigkeit:37 Prozent
Psychische Erkrankungen:31 Prozent
Stationäre Therapie:     22 Prozent
Langzeiterkrankung:22 Prozent
Psychische Erkrankung mit stationärer Behandlung:16 Prozent
Verlust des Arbeitsplatzes:16 Prozent
Vorzeitige Berentung:15 Prozent
Kriminalität:      12 Prozent
Überschuldung:10 Prozent
Konflikte am Arbeitsplatz:          9 Prozent
Suizid:9 Prozent  
Pflegebedürftigkeit:4 Prozent
Obdachlosigkeit:             4 Prozent
Opfer von Gewalt:1 Prozent
Sonstige Folgen: 30 Prozent

 

Quellen

https://dgcs.de/suchtberatung-wirkt-die-wertschoepfung-der-ambulanten-suchthilfe/ (abgerufen am 05.10.2021)

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